Chère Madame de Rosemonde,
ich grüße Sie aus der rheinischen Provinz und kann mir das Vergnügen nicht versagen, Ihnen von einem überaus kurzweiligen Wochende zu berichten, welches ich als Gast der Familien de La Graine Perrière und Walz zu Lindenthal verbringen dufte.
Aus allen Teilen Europas war man der Einladung gefolgt, auf Schloß Wahn im Churfürstentum Köln das neue Jahr zu begrüßen.
Eine erlesene Gesellschaft aus den Niederlanden, Spanien, Italien, Polen, Preußen, Sachsen, der Pfalz, Bayern, dem fernen Zarenreich, ja selbst ein Botschafter des Osmanischen Reiches trugen zum Glanz des Festes bei.
Der Wettergott meinte es gut, und eine Gesellschaft unerschrockener Briten, darunter drei mutige Damen, wagte sogar die um diese Jahreszeit nicht ungefährliche Überquerung des Ärmelkanales. Der Mut wie die Tollkühnheit dieses Volkes sind ebenso erschreckend wie bewundernswert. Was wird man wohl von der Insel noch alles erwarten dürfen?
Weniger Glück hatte ein Gast, von dem wir bis heute nur durch Hörensagen vernommen haben. Fama est seine Kutsche sei unterwegs zusammengebrochen. Böse Zungen behaupten die Extravaganzen seiner Garderobe hätten es ihm nicht erlaubt die Rechnung des Wagners zu begleichen. Wir können das gar nicht glauben.
Wer diesem überaus geschätzten edlen Herrn begegnet, möge ihn doch bitten, uns Kunde zu geben, ob er inzwischen wieder wohlauf ist und der unredliche Wagner seiner gerechten Strafe zugeführt wurde.
Einen weiteren Gast hat eine erschröckliche Pestilenz heimgesucht, und wir freuen uns, Kunde zu haben, er sei inzwischen wieder wohlauf.
Aber auch Trauriges habe ich zu berichten.Von einigen hochwohlgeborenen Herrschaften sind wir gänzlich ohne Nachricht. Sind sie in diesen unsicheren Zeiten unter die Räuber gefallen oder, schlimmer noch, im Schuldturm ohne Möglichkeit einen Boten zu senden?
Wenn im Frühjahr die Straßen wieder passierbar sind, hoffen wir auf gute Nachrichten.
Nun aber genug der Vorrede …
(weiter)
WDR-Beitrag
Kölner Stadt-Anzeiger
Nachbericht unseres Maître des Jeux
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